3. Oktober 2006
Liebe Freunde der Galerie, nicht schon wieder politisieren, hatte ich mir für diesen Brief an Sie fest vorgenommen,
aber ? es geht nicht anders.
Drei Entscheidungen in der vergangenen Woche machen mich wütend; wütend auf den
Sender, der ?Wut? aus der besten Sendezeit kippt und mit der späten Ausstrahlung für
viele Zuschauer die wichtige, sich anschließende Diskussion unmöglich macht, wütend
auf die Schutzhaft von ?Idomeneo?, obwohl nicht nur Mohammeds Kopf, sondern auch
die Köpfe von Buddha und Christus aus dem blutigen Bündel gezogen werden, (was
man ja schon von der Premiere 2003 her kannte), aber auch wütend über das ?Nazi?-
Urteil, das den jungen Mann hart bestraft, weil er antifaschistische Artikel produzierte,
wie z.B. ein zerschmettertes Hakenkreuz auf T-Shirts abzubilden. Nicht die Geldstrafe
von dreitausend ist hart, sondern, dass er seine gesamte Produktion einstampfen
musste, das geht in die Hunderttausende, und er nicht weiß, wie es weitergeht. Und
das vor dem Hintergrund seiner ohnmächtigen Wut auf die Nazizeit, vor allem weil sein
Großvater im KZ umkam.
Dreimal missverständliche und misslungene Interpretationen von Bürgerinteressen
und Symbolen. Mir scheint, uns, auch diejenigen mit der Gnade der späten Geburt,
mangelt es landauf, landab noch immer am Selbstbewusstsein, Selbstverständnis
und Souveränität im Umgang mit unserer eigenen kulturellen Freiheit. Und genau das
betrifft uns hautnah in unserer täglichen Arbeit, denn diese Freiheit einer unzensierte
Kunst bzw. Kultur ist noch so jung, dass mit ihr sorgfältiger umgegangen werden müsste.
Zurück zur kommenden Ausstellung, auf die wir uns besonders freuen, weil Peter Riek
bereits vor 20 Jahren als erster ?artist in residence? bei uns gelebt und gearbeitet hat.
Peter Riek, geb. 1960, studierte an der Akademie der Bildende Künste Stuttgart und
wurde unter anderem mit der Kunststiftung, dem Stipendium an der Cite des Arts
in Paris und dem Elsass Stipendium des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.
Zahlreiche Ausstellungen im In/ und Ausland machten ihn als Zeichner überregional
bekannt. "Die Auseinandersetzung mit dem Raum prägt das Werk Peter Rieks von
Anfang an und auf unterschiedlichsten formalen und inhaltlichen Ebenen: Es beschäftigt
ihn die Zeichnung im Raum, der Raum der Zeichnung als definierter Ort, die Annäherung
an den Raum der Zeichnung, aber auch die Zeichnung als Rauminstallation oder das
Rekurrieren auf historische Bildräume, denen er neue vieldimensionale Raumschöpfungen entgegensetzt.... Riek konturiert die Formen nur, reduziert sie bis auf Wesentliches. Er hat
nicht die Wiedergabe eines perspektivisch messbaren Raumes oder das Abbilden seines Gegenstandes im Sinn. Er lässt neue Formen entstehen aus der intensiven Beschäftigung
mit dem Ort für den und in dem er zeichnet. Er schafft neue Räume, Räume der Zeichnung".
Angela Ziegler
Hier in unserer Galerie wird Peter Riek eine Raum-Installation im wahrsten Sinne des Wortes
schaffen. Einen Raum im Raum, ein Zimmer ohne Aussicht, ein Zimmer nur für eine Person.
Allein und in Ruhe können die Arbeiten hier wahrgenommen werden, wobei dieser Rückzug
von der Außenwelt uns in unserer lauten schrillen Konsumwelt auch gleichzeitig seltsam fremd erscheint. Vielleicht hat Peter Riek deshalb eine Aussage von Leonardo da Vinci als Leitmotiv
oder Dechiffrierhilfe seinen Zimmern ohne Aussicht vorangestellt: "Und wenn du allein bist,
gehörst du ganz dir selbst, und wenn du auch nur in Gesellschaft eines Gefährten bist, gehörst
Du Dir nur zur Hälfte und ums weniger, je zudringlicher sein Umgang mit Dir ist."
Diese Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit der Galerie Epikur in Wuppertal,
deren Ausstellung ?Lieder für ein Zimmer ohne Aussicht? soeben zu Ende ging. Hans Peter
Nacke von der Galerie Epikur danken wir an dieser Stelle für den Katalog zu diesem Projekt.
Da wir diese Ausstellung aber nicht allein eröffnen möchten, laden wir Sie ein in das
Zimmer ohne Aussicht von PETER RIEK
am Samstag, den 14. Oktober 2006 um 19.00 Uhr
Ausstellung 14. Okt.- 30. Nov. täglich 14.oo - 20.oo Uhr,
Mo., Di. geschlossen und gerne nach Vereinbarung.
Dass er aber auch andere Raumbezüge herstellt, in dem er sich ganz auf den Raum einlässt, ihn sozusagen mit seinen Raumzeichnungen okkupiert, zeigt beigefügte Abbildung von 50 floralen Zeichnungen auf einer Wandzeichnung in einem unserer Gästeappartements. Auch das zeigen
wir Ihnen gerne bei Ihrem Besuch.
Herzlich
Ihre Vayhingers