Liebe Freunde der Galerie,
in der vorangegangenen Einleitung zu unserer Ausstellungsreihe „Global Players“ haben wir geschrieben, dass uns interessiert, wie sehen, wie werten Künstler aus unterschiedlichen Kontinenten die Heimat, ihre Herkunft, ihr derzeitiges Zuhause.
Gibt es in diesen verschiedenen Kulturen das Wort Heimat, wie leben sie damit ausserhalb ihrer eigenen Kultur und wie sind ihre Bezüge zu unserer Kultur? Was wir nun erfahren ist so spannend, so vielschichtig wie die Länder in denen die Künstler ihre Wurzeln, ihre „Heimat“? haben. Es ist zum momentanen Zeitpunkt ein unmögliches Unterfangen Ihnen diese Eindrücke, diese Beschreibungen, die über die gezeigten Bildwelten hinausgehen in unseren Briefen zu verbalisieren. Dazu kommt, dass unsere eigenen Recherchen zu „Heimat“, unser Hinterfragen bei den unterschiedlichsten Menschen, mit denen wir zu tun haben, uns oft nahezu aus der Fassung bringen. Es ist zwar seit Nietzsche und Bloch hinlänglich bekannt, dass Heimat nicht zwingend einen Ortsbezug hat. Wurde doch Heimat von Nietzsche im 19. Jahrhundert als instinktives Verlangen formuliert "Alles, wonach es den Menschen instinktiv verlangt, Liebe, Einheit, Festigkeit, Sinn und Ziel, erfüllt die Heimat", eine Heimat, die Ernst Bloch in seinem Schlüsselwerk „Prinzip Hoffnung“ in den 40er Jahren im amerikanischen Exil als „Unort“ und „Heimat als Utopie“ festlegte.
Aber wussten Sie z.B., dass die Regierung Bush 2002 das Heimatschutzministerium, das Departement of Homeland Security schuf, und dass, von vielen von uns unbemerkt, die Sprecher des Weissen Hauses die USA nicht mehr als „Nation“ oder „Republik“ bezeichnen sondern als „Heimat“? Und ist uns bewusst, dass zu den Begriffen Krieg, Krise, Katastrophe ein weiterer Kraftausdruck „Kampf der Kulturen“ in unserem 21. Jahrhundert hinzugefügt wurde, der ganz selbstverständlich verwendet wird? Alles nachzulesen in einem aufrüttelnden Essay von Juli Zeh in der November-Ausgabe der Zeitschrift DU.
Ganz interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Artikel „das globale Spiel“ in Regioartline, dem Kunstmagazin für Deutschland, Österreich und die Schweiz mit der Frage „Wie reagiert die Kunst auf die Globalisierung der Welt“. Eine Suche nach Antworten anhand der Ausstellungen Franz Ackermann im Kunstmuseum St. Gallen, Jan Fabre im Kunsthaus Bregenz und Sue Hayward in der Galerie Vayhinger in Radolfzell.
Die Vielschichtigkeit dieses Themas hat uns dazu bewogen jetzt über den Jahreswechsel eine Ausstellung einzuschieben mit Künstlern, die hier in dieser südlichen Idylle arbeiten und leben, mit ihren für uns wichtigen, unterschiedlichen Aussagen oder auch Verweigerung gegenüber dem Heimatbegriff. Eine „Heimatverweigerung“, die es übrigens, wie uns gesagt wurde, auch bei Erich Heckel gab. Da dieser Heimatgedanke uns so gepackt hat, wird unsere deutsche „Heimatausstellung“ zweigeteilt sein. Die erste Ausstellung eröffnen wir in zwei Wochen und der zweite Teil folgt in einem Jahr mit Arbeiten von jungen Künstlern, die ursprünglich hier zu Hause waren und jetzt nicht mehr hier leben, denn die Frage ist, hat Heimat für diese Generation eine Bedeutung und wenn ja welche? Dazwischen geht es 2009 weiter mit unseren „Global Players“ und deren Heimat. Wir pausieren im Februar, um dann im März Arbeiten des chinesischen Künstler Xianwei Zhu zu zeigen
Heimat [\\\'haιma:t] Teil I 7. Dezember bis 25. Januar
mit Arbeiten von Reinhold ADT,
Thom BARTH, Jürgen PALMTAG
sowie Otto Dix und Erich Heckel
Eröffnung Sonntag, 7. Dez. 16.00 h
mit einer freien Improvisation von Nicolas Kerksieck und
Pinar Mayaoglu „Über den Gebrauch von Heimat“
Nicolas Kerksieck hat zugesagt etwas Anheimelndes für diesen 2. Advent zusammenzustellen. Über die Arbeit von Nikolas Kerksieck und Pinar Mayaoglu werden wir Sie dann an diesem Sonntag Nachmittag informieren, vielleicht haben Sie auch im vergangenen Jahr in der Zeitschrift art über deren künstlerische Intervention der „Müllvergrabung“ in Australien gelesen oder über ihre „Baumputz-Aktion“ anlässlich der letzten documenta.
Wir freuen uns, dass wir in dieser Präsentation Immendorfs letzte Fassung von „Cafe Deutschland“ zeigen können - ja und da der Gartenzwerg lange Zeit als Symbol der Heimat galt, dürfen die Hörl’schen Gartenzwerge natürlich auch nicht fehlen.
Schön, Sie zu dieser Ausstellung begrüssen zu dürfen, vielleicht haben Sie auch Lust Sylvester mit uns in der „Heimat“ zu feiern. Ansonsten wünschen wir Ihnen, kommen Sie in welcher Auslegung auch immer, nicht heimatlos ins Neue Jahr
Ihre Vayhingers