Liebe Freunde der Galerie,
ich möchte heute keine gesellschaftlichen, sozialen, kritischen, wie auch immer Anmerkungen abgeben, wie Sie das eigentlich von uns gewohnt sind. Es ist einfach zu unergiebig, trostlos und freudlos jeden Tag die sich immer neu gebärenden alten Strukturen zu beleuchten. Besser im
Dunkeln lassen und sich mal wieder mutig und selbstbewusst zu altmodischen Charaktereigen-schaften bekennen, wie Moral, Loyalität, Treue, Scham, danach zu handeln und vorallem diese auch einfordern. Schluß jetzt - es gibt doch einiges Erfreuliches anzumerken.
Unsere Aktivitäten gehen weiter, nachfolgend ein Überblick:
Die erste Aktivität ist; wir beteiligen uns wieder an der art in Karlsruhe, die bereits gestartet sein wird, wenn Sie diesen Brief bekommen. Wir zeigen erstmalig in unserer langen Messetradition
keine Themenschau unter Einbeziehung mehrer Künstler, sondern stellen Ihnen den Zyklus Vocalize von Chihiro Shimotani vor. Die Auseinandersetzung eines japanischen Künstlers mit einer von ihm ausgewählten deutschen Übersetzung des Gedicht Voyelles des französischen Dichter Rimbaud. Vielleicht schaffen Sie es doch noch zu einem Besuch der art Karlsruhe. Wir holen Sie gerne am Eingang ab Tel. 01729380833
Am Samstag 21.3 eröffnen wir eine weitere Ausstellung des Zyklus „Globel Players“ mit dem Untertitel Heimat. XianWei Zhu, dessen Arbeiten wir zeigen werden, schrieb uns „.... es ist spannend, dass über Heimat in unterschiedlicher Kultur gibt es auch unterschiedliche Bedeutung. auf jeden Fall gibt es das wort Heimat auf chinesisch "jia xiang " jia ,bedeutet Heim, xiang, bedeutet town. Tradition der Chinesen ist, lieber das Heimat nicht verlassen, besonders wenn die Eltern noch leben. Es gibt auch Sprichwort wie z.b : die Blätter sollen zu den Wurzeln fallen.
XianWei Zhu hat die sechs-Millionen-Stadt Qingdao verlassen. Alles schien zu klein, zu unbeweglich und ohne Zukunft. Obwohl, vielleicht auch deshalb, er als Dozent für Malerei an der Universität arbeitete. Nie zuvor im Ausland gewesen und ohne jeglichen finanziellen Rückhalt fiel die Wahl auf Deutschland. Von 2003 bis 2008 studierte er in der Klasse von Prof. Cordula Güdemann. Kleine kinderähnliche Wesen bevölkern seit Studienbeginn seine Leinwände und tauchen als melancholisches alter ego in seinen Arbeiten auf. Zwischenzeitlich werden die Menschen auf den Bildern zwar „erwachsener“ bleiben aber winzige Details in flächendeckenden Landschaften. XianWei Zhu lebt derzeit mit seiner Frau Yi und seiner vor kurzem geborenen Tochter XiXi in Stuttgart.
Eröffnung der Ausstellung: Samstag 21.3. um 17.00 Uhr
XianWei Zhu: XiXi oder die Freude aus dem Westen
Außerdem wird ab diesem Wochenende der Künstler Nicolas Kerksieck für eine Woche hier am Bodensee in Allensbach eine „Warmwasserprozession“ durchführen, eine künstlerische Aktion, bei der über den gesamten Zeitraum ca. 800 Liter Bodenseewasser zu Fuß auf den Dorfberg transpor-tiert und dort erwärmt werden. Zur Erwärmung baut Kerksieck auf dem höchsten Punkt des Ortes ein Gartenhäuschen, in dem ein Generator zwei Wasserkocher betreibt. Nachdem das Wasser abgekocht und „gereinigt“ wurde, wird es auf selbem Weg dem See zurückgegeben. Die Aktion stellt einen „absurden“ (Energie-) Kreislauf dar, indem sie über die zeitliche Dimension ein Verhältnis zwischen körperlicher und mechanischer bzw. elektrischer Arbeit aufstellt. Diese Anstrengung und Energie scheint jedoch ins Nichts zu laufen, sinnlos verschwendet zu werden. Durch die repetitive, monotone Ausführung der Arbeit lassen sich Verbindungen zu religiösen Handlungen und Kulten herstellen, wie in Meditationen oder Exerzitien. Die Ausführung der Aktion während der Fastenzeit stellt Verbindungen zwischen Ressourcennutzung und kultischem Handeln her, lädt das Element Wasser auf, von der Ressource zur „ökologischen Reliquie“. Dieses ostinative Pendeln zwischen den Bedeutungspolen, zwischen Vernunft/Unvernunft und Kult bzw. Kultur, dessen Bestandteil Religion ist, wirft letztlich die Befragung von Sinn und Sinnlosigkeit des Handelns im Allgemeinen auf, will jedoch keine Antwort geben, will nicht belehren, sondern schwingt leise im Gehen und Tragen des Warmwassers auf dem Weg zwischen den Häusern und Feldern des Dorfes mit. Kerksieck, der u.a. in Berlin bei Tony Cragg studierte, hat für seine Aktionen „Mutter Erde als Behälter“ (Australien/Berlin) und „Begleiterscheinungen“ zu den Münster-Skulptur-Projekten 2007 große Aufmerksamkeit erfahren, durch Vorträge und Lehrveranstaltungen sowie durch Rezensionen u.a. in der art, Monopol, TAZ, RBB und Deutsche Welle Radio.
Ein weiterer von uns unterstützter künstlerischer Beitrag zum Thema Heimat. Die Aktion beginnt mit der Vorbereitung am Samstag 21. März, die Prozession selbst startet am Sonntag 22.03. um 11.30 an der Schiffslände in Allensbach und geht täglich von 10:00 – 18:00 Uhr
„Und wirklich ist es doch gar zu einzig schön hier“ mit diesen Reisebriefen des jungen Felix Mendelsohn Bartholdy, gelesen von Antje und Martin Schneider, musikalisch kommentiert von Gabriele Müller können Sie am Sonntagabend um 19 Uhr in der Christuskirche in Radolfzell, ein spannendes, kompaktes Wochenende in Sachen Kunst und Kultur ausklingen lassen, ein Wochenende, das lohnt zum Frühlingsanfang hier an den Bodensee zu reisen
mit besten Grüssen empfohlen von
Ihren Vayhingers