Liebe Freunde der Galerie,
in unserem ersten Galeriebrief von 2011 müssen wir wiederum die SonntagsFAZ zitieren, bzw. Ihnen einen Autor, falls Sie ihn nicht bereits kennen, ans Herz legen. Robert Pfaller hat uns schon mit „Das schmutzige Heilige und die reine Vernunft“ sehr beeindruckt. Mit einem Essay in der FAZ vom gestern 6.3. „Über das gute Leben“ stellt er uns sein neues Buch vor „Wofür es sich zu leben lohnt“. Keinesfalls „Wozu“ es sich zu leben lohnt, sondern „wofür“ ganz im Sinne des Philosophen Michel de Montaigne, der betont, dass wir nie vergessen dürfen, dass es unsere vornehmste Aufgabe sei, zu leben. Und was gutes Leben heißt bringt Pfaller philosophisch, brillant auf den Punkt „Wir mäßigen uns heute maßlos. Erstaunlich, was wir uns alles gefallen lassen. Zurück zu Epikur!“ Pfaller führt aus „Wenn Priorität wie Sicherheit, Gesundheit und Kosteneffizienz oder der sogenannte „europäische Hochschulraum“ (er spricht von der Umwandlung der europäischen Universitäten in „repressive Obermittelschulen, die nur noch auf den Prinzipien des Zwangs und der Kontrolle beruhen“) in der Kultur der Gegenwart als vermeintlich höchste Güter nach ganz oben drängen, dann werden Lebensqualitäten wie Bürgerrecht, soziale Absicherung, Genuss, Würde, Eleganz und Intellektualität meist ohne Zögern und ohne jede Diskussion geopfert. Unbescholtene Menschen werden bei Sicherheits-kontrollen wie Verbrecher behandelt und bis auf die Socken durchsucht. Regierungen verbieten uns das Rauchen, als ob wir Minderjährige wären........,“ zurück zu Epikur „Es gibt auch im kargen Leben ein Maßhalten. Wer dies nicht beachtet, erleidet Ähnliches wie derjenige, der in Maßlosigkeit verfällt Die Mäßigung die unser Leben reguliert, kann (..) selbst zur Maßlosigkeit werden. Genau in dieser Situation leben wir gegenwärtig. Wir mäßigen uns maßlos. Aus Furcht vor möglicher Beeinträchtigung des Lebens be-einträchtigen wie es selbst vollständig“
Pfallers Essay, sein Buch eine Präambel für das „gute Leben“ und unser kulturelles Zusammenleben?! Für uns auf jeden Fall eine wichtige Lektüre im Bezug auf unseren Ausstellungszyklus „Globel players“ mit dem Untertitel „Heimat“
Auf „Lichtung“ der Collaboration zwischen USA, Holland und Deutschland, zum Jahreswechsel folgt nun die Ausstellung „Here and There, in my Mind and Body“ mit Arbeiten von Barbara Armbruster, die sozusagen zwischen zwei Kulturen, zwischen Kairo und Stuttgart lebt. Ihre Arbeit thematisiert gesellschaftliche, soziale und kulturelle Realitäten, Lebensräume. Identitäten in unserer globalen Welt. Diese bewusste und aufmerksame Beobachtung dieser globalen Welt, die die Künstlerin in Bilder, in Installationen verwandelt, hat uns interessiert, bevor es zu diesem gesell-schaftlichen Umbruch in Ägypten kam und bevor wir wußten wie stark sie auch emotional an diesen Nahost-Konflikten beteilitgt ist durch Ihren Mann den ARD-Korrespondenten Jörg Armbruster. Barbara Armbruster studierte bei Rudolf Schoofs und Marianne Eigenheer an der Akademie in Stuttgart, an der sie dann selbst kurzzeitig gelehrt hat. Sie lebt mit Unterbrechungen seit 1999 in Kairo und Stuttgart. Ihr nächstes Projekt wird nach unserer Präsentation im Mai in der Safar Art Khan Gallery, Cairo vorgestellt.
Ausstellungeröffnung BARBARA ARMBRUSTER 19. März – 9. Mai 2011
Samstag 19. März 19 Uhr „Here and There, in my Mind and Body“ Installation; Zeichnung, Fotografie, Malerei, Video
Wie immer gibt es zur Ausstellungseröffnung das Lieblingsgericht des Künstlers. Wir sind gespannt, ob es zu einer deutsch-ägyptischen Liaison auch auf dem Teller kommt. Barbara Armbruster und wir freuen uns auf Ihren Besuch
Ihre Vayhingers