Liebe Freunde der Galerie,
etwas hilflos kommen wir eben aus Venedig von der ILLUMInazione zurück, von
einer Biennale, die uns trotz wiederholter Besuche weder „erleuchtet“, noch uns
das gegenwärtige Kunstgeschehen „beleuchtet“ hat. Dass dieser Biennale der in-
haltliche Kontext fehlt, wurde hinreichend in der Presse besprochen, dass aber
prominente Künstler unter dem Applaus von „Fachleuten“ zu solchen Dünnbrett-
bohrern degenerieren, ist an der Grenze des Erträglichen, z.B. könnten für den
„Crystal of Resistence“ umwickelte handys, Flaschenscherben, Wattestäbchen-
konstruktionen usw. allenfalls als ein spätpubertierendes Vorantasten in der
Gegenwartskunst gesehen werden, wenn, ja wenn diese Künstler dies nicht alles
schon seit Jahrzehnten hinter sich hätten und nun zum eigenen platten DejaVu
mutieren.
Es ist sicher etwas ungerecht, denn es gab auch eindrückliche Arbeiten und
Venedig selbst ist allemal eine Reise wert, zudem doch einige Installationen,
Ausstellungen in den Palazzi, ein wunderbares „Licht“ auf unsere gesamte
Kunstgeschichte, auf persönliche Sammlungen warfen, wie z.B. auf die
Konzeption Vervoordt im Palazzo Fortuny - aber halt wenig Zukunftweisendes,
vieles Vergangenheitsbezogen, wie die Stadt selbst.
Etwas ganz Simples hat diese Biennale doch bewirkt; wir sind mit Begeisterung
in unsere tägliche Arbeit, in unsere derzeitige Ausstellung mit den Arbeiten der
jungen chinesischen Künstler zurückkommen und wir freuen uns auf die kom-
mende „klassische“ Ausstellung, zu der wir Sie mit diesem Brief einladen möchten.
Christof Drexel (1886 Königstein/Taunus -1979 München); dem Maler, Philo-
sophen, Pädagogen, Dichter und Designer ist die kommende Ausstellung als
Hommage zum 125. Geburtstag gewidmet, denn wie häufig zum Jahresende
zeigen wir innerhalb unserer Klassischen Reihe einen Künstler, dessen Oeuvre
nicht nur durch Qualität besticht, sondern der auch durch eine unangepasste
Lebenshaltung als Wegbereiter für die Moderne wahrgenommen wurde. Christof
Drexel war ein solcher Künstler, der heute fast nur wirklichen „insidern“ ein Begriff
ist. Und dies, obwohl er mit Nolde und Jawlensky ausstellte, mit Matisse, Kandinsky,
Heckel und dem Verleger Piper gut bekannt war, in den 20er Jahren sich ein Atelier
in Berlin mit Klee und Feininger teilte und nicht zuletzt mit Karl Ernst Osthaus die
Folkwang-Schule in Hagen gründete, bevor sie sich in Essen etablierte. Flechtheim
und Cassirer stellten ihn aus und Munch, der großen Einfluss auf ihn hatte, brachte
ihn zusammen mit vielen namhaften Expressionisten 1932 nach Oslo zur Ausstel-
lung „Neuere deutsche Kunst“ ins Museum. Im selben Jahr erhält Drexel den Villa
Romana-Preis in Florenz. Ein Einschnitt war, wie bei vielen unbequemen Künstlern,
sein Ausstellungsverbot im 3. Reich. 1979 wurde das Lebenswerk von Drexel mit
einer Einzelausstellung nochmals nach Norwegen ins Munch Museum geholt. Er
selbst traf die Auswahl der Arbeiten, begleitete die Vorbereitungen, hat aber dann
die Eröffnung dieser für ihn so bedeutenden Ausstellung leider nicht mehr erlebt, er
starb unmittelbar davor im Alter von 93 Jahren.
Ein Querschnitt durch nahezu 70 Jahre künstlerisches Arbeiten im 20.Jahrhundert
erwartet Sie in dieser Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Nachlass, den
sein Sohn Rainer Drexel mit seiner Frau Renate von Forster betreut, realisiert wer-
den konnte. Erfreulicherweise werden zudem, mit Einverständnis der Söhne Rainer
und Mathias, Design-Objekte ihres Vaters für diese Ausstellung und die art Karlsruhe
in 2012 als Edition aufgelegt.
CHRISTOF DREXEL 1886 – 1979
Hommage zum 125. Geburtstag
26. November 2011 - 22. Januar 2012 verlängert bis 15. Februar 2012
Eröffnung: Samstag 26. November - 19 Uhr
keine Angst ׀ nach elf Milliarden Jahren ׀ und mit diesem Augenblick beginnend ׀ weiß es niemand mehr ׀ sich noch so sehr besinnend – ׀ dass wir einst vorhanden waren ׀ inclusive dem, wovor Du bangst ׀ und der Schauplatz alles dessen ׀ steht dann leer ׀ Deine Nöte sind vergessen ׀ und die Sterne ziehn in hellen Scharen ׀ drüber her ׀ Möchtest Du vielleicht zum Wein ׀ ein Stückchen Schwarzbrot essen? ׀ Und ein Prosit den Gefahren! ׀ Seid mein Gast, ich lad Euch dazu ein!
in Vertretung, herzlich
Ihre Vayhingers
